Nimm mich!

»Hallo Chef, nimm mich« – das Geheimnis einer guten Bewerbung


Im Wort »Bewerbung« steckt das Wort »Werbung«. Das ist kein Zufall. Die Werbung fürs neue Shampoo und die Bewerbung für den neuen Job haben viele Gemeinsamkeiten. Ob es Bewerbern gefällt oder nicht: sie sind das Produkt und die Firma wählt aus. Im Supermarkt gibt es nicht nur ein Shampoo. Stattdessen stehen da viele ähnliche Produkte nebeneinander. Manche kennt man aus der Werbung im Fernsehen oder aus Anzeigen. Die Macher wollen, dass ihr Shampoo auffällt, dass die Käufer im Supermarkt ihr Produkt aus dem Regal nehmen. Genauso ist es mit Bewerbungen. Die Firmen bekommen viele Bewerbungen, sie haben die Qual der Wahl. »Kauf mich«, rufen die Shampoos im Regal, »Nimm mich«, das sollte die Botschaft in der Bewerbung sein.

Warum sollte die Firma jedoch gerade mich auswählen? Weil ich gut bin – ganz klar. Aber so einfach ist das nicht. Wie bei der Auswahl im Supermarkt zählen bei der Auswahl der besten Bewerbung verschiedene Faktoren. Und nicht alle sind ganz nüchtern und sachlich. Der erste Eindruck bekommt keine zweite Chance. Das ist eine wichtige Regel. Eine Bewerbungsmappe muss gut aussehen. Wer sich auf Papier bewirbt, muss darauf achten, dass die Seiten und die Mappe keine Eselsohren haben, dass das Foto gerade aufgeklebt ist und die Unterschrift gut aussieht. Bei einer Bewerbung per Mail fallen nur die Eselsohren weg. Hier speichert man die Mappe als PDF.

Ob die Firma die Bewerbung am liebsten per Post oder per Mail hat, steht in der Stellenanzeige oder man kann es erfragen. Die Mail setzt sich immer mehr durch. Wer eine Initiativ-Bewerbung losschicken will, sollte nicht an die Massenadresse info@... schreiben. Besser: Anrufen und nach der passenden Adresse fragen. Bei jedem Anruf aber daran denken, dass die Firma gleich ein, zwei Fragen stellen könnte, um mehr über den Bewerber zu erfahren. Man sollte also schon zu diesem Zeitpunkt wissen, warum man sich bei jener Firma bewerben möchte.

Bilder sind in der Werbung oft der »Eyecatcher«. Sie stechen ins Auge. Genauso ist es auch bei der Bewerbung. Darum muss das Portraitfoto wirklich gut sein. Automatenbilder oder gar Fotos vom Handy sind tabu. »Gut« heißt nicht, dass man aussehen muss wie ein Model. Aber man sollte sympathisch »rüberkommen«, außerdem sollte man seriös wirken. Wer sich bei einer Werbeagentur bewirbt, der braucht keine Krawatte, bei einer Bank ist das auch heute noch der Standard. Im Handwerk ist man bei den Klamotten lockerer als im Hotel. Die passende Kleidung ist nicht nur gefragt beim Foto, sondern auch beim Vorstellungsgespräch.

Im Supermarkt nimmt man neue, noch unbekannte Produkte aus dem Regal, die einem ins Auge fallen. Erst dann liest man, was drin ist in der Schachtel oder Tube. Das ist bei der Bewerbung ebenso.

Der zweite Blick fällt auf das Geschriebene. Die Schriftart »Comic Sans« sieht vielleicht lustig aus, wirkt aber inkompetent. »Arial« und »Times New Roman« sind im Geschäftsleben üblich, mit »Palatino« kann man sich vom Üblichen abheben, ohne unseriös zu wirken.

Im Anschreiben sollte man mit kurzen Sätzen ohne viel Blabla beschreiben, wer man ist, was man gelernt hat und warum man der ideale Kandidat für das Unternehmen ist. Nicht alle Firmen schauen übrigens nur auf die Noten. Ehrenamtliches Engagement bei Vereinen oder in Gruppen gehört in die Bewerbung, am besten in den Lebenslauf. Dort vermerkt man auch jene Qualifikationen, die nicht in den Zeugnissen stehen. Wer als Kind zweisprachig aufgewachsen ist, wer längere Zeit im Ausland war, sollte das angeben. In vielen Jobs sind Computer-Kenntnisse gefragt. Games sind für Firmen unwichtig, Programmieren oder Software fürs Büro dagegen schon.

Im Supermarkt legt man die ausgewählten Produkte in den Einkaufswagen. Die Firma lädt die ausgewählten Kandidaten zum Vorstellungsgespräch ein. Auch da geht es darum, sich möglichst gut zu »verkaufen«. Wer hier den besten Eindruck macht, der bekommt den Job. Und dann ist irgendwann der erste Zahltag. Genau wie im Supermarkt. Doch da muss man an der Kasse bezahlen, im Job bekommt man den verdienten Lohn.

Nimm mich!

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