Buzzwords in der Bewerbung

intellektueller Mehrwert oder Massenware?

Ein Bewerbungsschreiben, als Teil einer Bewerbungsmappe, ist so ziemlich erste Visitenkarte im eigenen Leben. Sie dient in erster Linie dazu, einen Menschen, der von unserer Existenz bis dato noch nichts wusste, zu überzeugen, dass genau wir die/der Richtige für sein Unternehmen sind. Es liegt auf der Hand, dass ein überzeugender Bewerbungsbrief nichts ist, was man eben so nebenbei macht.

Im Gegenteil: es kostet richtig viel Energie und Hirnschmalz. Es ist definitiv besser, ein wenig Zeit zu investieren und ein Schreiben aufzusetzen, das den Leser buchstäblich vom Hocker haut und nicht genauso klingt, wie 20 andere Schreiben auf dem »Leider nein«-Stapel.

Und da wären wir schon beim Thema. Es gibt diese typischen Buzzwords, die fast jeder von uns bereits in Bewerbungen genutzt hat. Diese Standards sollen unsere Bewerbung professioneller erscheinen lassen. Diese Wörter sind aber, gerade weil sie so häufig verwendet werden, so abgegriffen, dass sie nur noch als aussagelose Schlagworte wirken, und damit den Kandidaten beliebig sowie schlagwortlastig erscheinen lassen, seine Fantasielosigkeit signalisieren und damit letztlich zu vermeiden sind:

1.    motiviert   
2.    kreativ   
3.    Expertenwissen    
4.    Leidenschaft   
5.    strategisch
6.    verantwortungsvoll
7.    ehrgeizig
8.    analytisch
9.    spezialisiert
10.  Auslandserfahrung

Personalverantwortliche lesen tagein tagaus (wahrscheinlich seit Jahren schon) Bewerbungsschreiben. Sie lesen immer und immer wieder dasselbe. Wenn alle Kandidaten ungefähr dasselbe schreiben, dieselben Wörter verwenden und eine ähnliche Qualifikation haben und keiner heraussticht, dann entscheiden irgendwelche belanglosen Details über die Einladung zum Gespräch.

Auch wenn es als Berufseinsteiger verlockend ist, ganze Textpassagen aus Musterbewerbungen per copy & paste zu reproduzieren, so versuche so wenig Floskeln und Buzzwords wie möglich zu verwenden. Sie schinden nur den Eindruck professioneller zu sein. Das Gegenteil ist eher der Fall. Es fehlt die Persönlichkeit, die Seele des Bewerbungsschreibens. Doch genau danach suchen die guten Personaler. Sie wollen Charakterköpfe statt auf kleine Teilbereiche beschränkte Begabungen. Akademische Intelligenz korreliert eben nicht zwingend mit Kreativität und sozialer Kompetenz. Und der Keim der Innovation steckt oft im Unkonventionellen: Gute Ideen entstehen, weil jemand quer denkt, rumspinnt, fantasiert, träumt. Und genau das lässt sich schon an den Formulierungen im Bewerbungsbrief erahnen oder gar ablesen. In der Regel reicht es schon, keine hohlen Phrasen, sondern individuelle Sätze zu formulieren.

Jetzt denkst du bestimmt: »Wie jetzt? Ich habe endlich gelernt, die richtigen Schlüsselworte in Bewerbungsunterlagen und Profilen zu verwenden – und jetzt soll alles das ganz und gar falsch sein?« Nicht ganz (das gänzliche Fehlen der Buzzwords würde wahrscheinlich auch den einen oder anderen Personalverantwortlichen etwas irritieren). Schlagwörter ja, aber mit Bedacht verwenden. Wenn du nicht nur schreibst, dass du motiviert und kreativ bist, sondern gleichzeitig erklärst, wodurch du motivierbar bist und wo du schon einmal wirklich kreativ warst, dann kannst du auch diese Buzzwords gut verwenden. Sie sollen von dir quasi mit Leben und Kontext gefüllt werden.




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Buzzwords in der Bewerbung

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